| Was ist Umweltstrahlung |
Natürliche "Strahlungsquellen" lassen sich im Wesentlichen in folgende drei Kategorien unterteilen:
- - natürlichen Radionuklide in der Luft (z. B. Radon und seine Zerfallsprodukte)
- - natürliche radioaktive Stoffe im Boden und Gestein
- - kosmische Strahlung aus dem Weltall
Hinzu kommen künstliche Strahlungsquellen. Es sind dies vor allem:
- - Medizinische Untersuchungen (Röntgen, CT)
- - Strahlung im Haushalt und Arbeitsplatz (Röhrenbildschirme, Armbanduhren, …)
- - Radioaktive Rückstände von Kernwaffentests
- - Reststrahlung von Tschernobyl und anderen Reaktorunglücken
- - Abluft und Abwasser aus Kernkraftwerken
Der Report 20081 des Wissenschaftlichen Ausschusses der Vereinten Nationen zur Untersuchung der Auswirkungen der atomaren Strahlung (United Nations Scientific Committee on the Effects of Atomic Radiation, UNSCEAR) gliedert die durchschnittliche, währen eines Jahres auf den Menschen einwirkende Strahlenbelastung wie folgt:
| Strahlungsart | Mittlere Jahresdosis (weltweit) | Bandbreite individueller Dosen | Bemerkungen |
|---|---|---|---|
Natürliche Strahlung | in mSv | in mSv | |
| Inhalation (Radon und Zerfallsprodukte) | 1.26 | 0.2-10 | Je nach Gebäude auch viel höher |
| Terrestrische Strahlung (Boden, Gestein) | 0.48 | 0.3-1.0 | Gebietsabhängig |
| Innere Strahlung durch Nahrungsaufnahme | 0.29 | 0.2-1.0 | |
| Kosmische Strahlung | 0.39 | 0.3-1.0 | Nimmt mit der Höhe des Standortes zu |
Total natürliche Strahlung | 2.42 | 1.0-13 | |
Künstliche Strahlung | in mSv | in mSv | |
| Medizinische Diagnose (nicht Therapie) | 0.60 | 0-mehrere 10 | Der Durchschnitt variiert je nach Gesundheitsversorgung von Land zu Land zwischen 0.03 und 2 mSv |
| Atmosphärische Kernwaffentests | 0.005 | höher bei Testgeländen | Maximum bei 0.11 mSv im Jahre 1963 |
| Belastung am Arbeitsplatz | 0.005 | 0-20 | Der Schnitt für alle Arbeitnehmer beträgt 0.7 mSv. Die grösste Strahlenbelastung ist dabei meist natürlicher Art, Beispielsweise durch Radon in Minen |
| Reaktorunfall in Tschernobyl | 0.002 | Das Maximum in der nördlichen Hemisphäre betrug im Jahre 1986 0.04 mSv | |
| Kernenergie | 0.0002 | bis 0.02 mSv | |
Total künstliche Strahlung | 0.61 | ||
| Total Strahlung | 3.03 |
| Wie misst man radioaktive Umweltstrahlung? |
- - Messung der Umgebungsstrahlung (Umgebungs-Äquivalentdosisleistung)
- - Messung der Aerosol-Aktivitätskonzentration in der Luft
- - Messung der Iod-131-Aktivitätskonzentration in der Luft
Einen guten Überblick über die verschiedenen Messtechniken bietet die Webseite des
Immissionsmessnetz für Radioaktivität (IfR) des Bayerischen Landesamtes für Umwelt
http://www.lfu.bayern.de/strahlung/ifr/index.htm
In der Schweiz erfolgen die amtlichen Messungen durch das Bundesamt für Gesundheit (BAG) die das RADAIR Messnetz betreibt und bei Bedarf auch Höhenflüge mit dem Höhenflug-Filter (HFF) durchführt.
Die Station Weiningen (ZH) misst die radioaktive Umweltstrahlung mit einem Gerät zur Messung der Umgebungs-Äquivalentdosisleistung (Geiger-Zähler) und gibt die gemessenen Werte in Mikrosivert pro Stunde (µSv/h) aus.
| Radon und die Situation in Weiningen (ZH) |
Die Radonkonzentration in der Schweiz ist von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich. Für die Gemeinde Weiningen (ZH) wird vom BAG die Risikostufe "mittel" angegeben.
Somit empfiehlt das BAG grundsätzlich die Durchführung einer Radonmessung.
Radonmessungen können durch amtlich anerkannte Fachstellen durchgeführt werden. Die nächste Fachstelle befindet sich hier in Weiningen. Die Firma Im Rank Engineering von Stefan Miller bietet Radonmessungen und Radonmessgeräte an. Auf der Firmenseite http://www.radon.ch/ finden sich zudem weitere nützliche Informationen rund um das Thema Radon.
| Das Stationsinstrument |
Für die Messung der radioaktiven Umweltstrahlung hier am Stationsstandort in Weiningen (ZH) wird ein RM-80 Dosisleistungsmessgerät der Firma Aware Electronics eingesetzt. Diese Geräte der RM-Reihe werden weltweit von verschiedensten Universitäten, professionellen Einrichtungen sowie Amateur-Messstationen eingesetzt und sind nach gängigen US-Standards2 geprüft und kalibriert. Das Gerät kann sowohl Alpha- und Beta-, wie auch Gamma- und Röntgenstrahlung messen.
Das Messgerät befindet sich zusammen mit dem Lärmmesser ausserhalb des Gebäudes, vor Regen und Feuchtigkeit geschützt unter dem Dach in einer Schutzbox. Es wird kein spezieller Lüfter eingesetzt um Luft anzusaugen, das Alpha-Fenster (der nicht abgeschirmte Teil des Geigerzählers) ist frei zugänglich und zeigt vom Gebäude weg.
Alle 60 Sekunden übermittelt das RM-80 die gewonnenen Messwerte per Kabel an den Stationsserver.
| Datenverarbeitung |
Zudem sind im entsprechenden Datenarchiv alle Messwerte seit Beginn der Aufzeichnungen abrufbar.
Die verwendeten Charts sind dynamisch, das bedeutet, Sie können in die einzelnen Charts rein- und rauszoomen.
| Hinweise zur Interpretation der Messwerte! |
Die gemessenen Daten gelten nur für die Messstelle an der Station und können naturbedingt schon 10 Meter weiter, insbesondere in Gebäuden, völlig verschieden sein (Radon!).
Die radioaktive Umweltstrahlung unterliegt natürlichen Schwankungen3. Kurzfristige Abweichungen vom langfristigen Mittel sind die Regel und deuten nicht auf eine unnatürliche Veränderung der Umweltstrahlung - beispielsweise durch einen Störfall - hin.
Natürliche Veränderungen ergeben sich einerseits durch räumliche Unterschiede. Die normale Umweltstrahlung kann problemlos zwischen 0.03 - 0.25 µSv/h liegen und somit um den Faktor 10 variieren. Dies liegt am unterschiedlichen Gehalt an radioaktiven Stoffen im Boden oder an der Höhe der Messstelle über Meer (kosmische Strahlung).
Andererseits hat auch das Wetter einen erheblichen Einfluss auf die Messwerte. So erhöhen sich in der Regel die Messwerte bei starkem Regen. Dies geschieht weil die natürlichen radioaktiven Aerosole in der Luft durch den Regen ausgewaschen werden und sich anschließend am Boden ablagern, wo sie durch das Messgerät wegen der geringeren Distanz vermehrt erfasst werden. Bei auftretenden Strahlungsspitzen lohnt sich daher ein Blick auf die Daten des Niederschlagmessers.
Die nachfolgende Grafik veranschaulicht dies. Dargestellt werden der von der Messstation gemessene Strahlungsverlauf (Stundenmittel) und die zeitgleich registrierte Niederschlagsmenge für die Periode vom 07.07.2011 - 10.07.2011.
Ein weiteres Beispiel für den Einfluss des Wetters sind längere Perioden mit Bodenfrost. Die laufend entstehenden natürlichen gasförmigen radioaktiven Stoffe können wegen der Vereisung des Bodens nicht in die Luft gelangen. Wenn der Boden darauf hin taut werden diese gasförmigen radioaktiven Stoffe innerhalb kurzer Zeit in die Luft freigesetzt und erhöhen die vorher relativ niedrige Dosisleistung ebenfalls spürbar.
Auch der atmosphärische Luftdruck oder Temperaturschwankungen innerhalb des Tages können einen wahrnehmbaren Einfluss auf die Strahlungswerte haben.
1 http://www.unscear.org/unscear/en/publications/2008_1.html
2 DCAS MIL- Q985A, MIL-E-I and appendix B of 10CFR50, Kalibrierung gem. MIL-STD-45662
3 http://www.lfu.bayern.de/strahlung/ifr/index.htm